Sonntag, 10. November 2019

world war me


Gerade eben habe ich auf meinen ersten Blog zurückgeblickt. Er hieß "Who cares?" und der erste Post entstand am 3. Februar 2011. Es ist erstaunlich. Fast 9 Jahre sind ins Land gestrichen, alles hat sich verändert und gleichzeitig ist alles beim Alten geblieben. Ein neues Bild auf alter Leinwand ist entstanden. Neue Stadt, neue Erfahrungen, neue Lebensumstände. Man sollte meinen, ich sei ein anderer Mensch geworden, aber man braucht nur die obere Schicht meines Selbstbilds abkratzen, um zu sehen, dass darunter immer noch ein ängstliches Kind portraitiert ist. Schon damals wollte ich sterben und wenn ich es grade mal nicht wollte, so habe ich meist Schmerz verschiedenster Spielarten genutzt, um diesen Zustand herbeizuführen. Drogen, Alkohol und Ausschweifungen markierten stets Meilensteine auf meinem Weg aus der Leere, aus der emotionalen Überfüllung, aus dem Denken. Und wohin? Ich habe mich gehasst und hasse mich, das ist Teil meines Lebens und zur Normalität übergegangen. Meine Aufzeichnungen waren damals gebündelt auf dem Blog, aber auch ziellos und ohne Struktur wie die heutigen. Sie haben sich lediglich entsprechend der vorherrschenden Gegebenheiten auf verschiedene Medien verteilt.
Eine Zeit lang habe ich meinen Gedankenwust in ungelenkem Englisch auf Tumblr ergossen. Währenddessen konnte ich mich auf eine angenehme Art von meinen Gedanken distanzieren, habe aber auch gleichzeitig den Bezug zu ihnen verloren. Ich konnte keinen eigenen Ausdruck und Stil finden, sondern war auf in der Vergangenheit aufgeschnappte und gelernte Phrasen angewiesen. Der größte Vorteil von Tumblr war, dass ich schnell und im akuten Zustand meine Gedanken erwischen konnte. Die Gefahr des Vergessens war gebannt. Das schlimme am Vergessen ist nämlich, dass nur der Inhalt vergessen wird. Das Gefühl bleibt hängen wie miefiger Dunst, dessen Ursprung man sich nicht entsinnen kann,, und durchzieht alle Hirnwindungen schleichend. 
Ein weiterer Teil steht in meinen Notizheften geschrieben. Tagebücher fand ich immer peinlich, aber ich habe auch gemerkt, dass ich zunehmend Vergesse. Es passiert einfach zu viel in mir, dass seinen Weg hinaus sucht. Manchmal scheint es mir, als ob mein Speicher voll ist und für neue Gedanken alte überschrieben werden müssen. Dieses Vergessen macht mir Angst. Kürzlich hat mich auf einem Acidtrip eine Erinnerung heimgesucht, die Jahre verloren war. Eine glückliche Erinnerung an meine Kindheit, die mir abhandengekommen ist, während all die traumatischen Ereignisse sich wie Dauerwerbesendungen in meinem Kopf wieder und wieder und wieder abspielen. Das Vergessen macht mir Angst. Vergessen ist Vergänglichkeit ist Tod. So wie meine Erinnerung an Dinge verblasst, so sterben diese Dinge. Jedes Sterben der Dinge scheint mir ein Schritt zu meinem eigenen Sterben und vergessen werden. Die Notizhefte sind nur Ventil, haben keinen Wert. Handschriftlich meinen Gedanken zu folgen ist ein fruchtloses Unterfangen. Ich kann nicht so schnell schreiben, wie ich denke und nicht so oft korrigieren, wie mein Denken die Richtung ändert, hier aufhört und an anderer Stelle wieder ansetzt. Der Inhalt stellt mich letzten Endes meist nicht zufrieden, aber etwas Permanentes erschaffen zu haben, Seiten, die man anfassen und fühlen kann, gibt mir eine seltsame Gewissheit. Es lässt die Gedanken Teil der Realität werden, greifbar, wenn auch nicht für andere nachvollziehbar. Manchmal fühlt es sich kurz fast so an, als würde ich Ballast abwerfen. Aber nur fast. Die Schwere findet ihren Weg immer zurück.
Doch der Großteil und gleichzeitig der am belastendstene Teil meiner Gedanken ist der alleinig gedachte. Über ihn vermag ich nie Kontrolle zu erlangen. Es sind zu flüchtige Gedanken. Undenkbare Gedanken. Abstrakte Gedanken, nicht mehr als widersprüchliche Gefühle. Ich jage ihnen nach, will mit ihnen arbeiten oder sie zumindest irgendwo festhalten, aber es ist, als ob man einen Geist jage. Als ob man versuche Nebel einzufangen. Kontrollverlust, Übergangen werden und Hilflosigkeit führen zu Angst. Am Ende läuft jede Gedankenkette zu meinem Tod. Ob erwünscht oder nicht, ob gefürchtet oder ersehnt, er ist gegenwärtig.


tbc

Montag, 17. Juni 2019

Schon wieder ein neuer Blog. Abfackeln, alles neu. Aber eigentlich auch nicht, eigentlich gar nicht. Alles beim alten. Same shit, different day. Tumblr wurde mir zu dramatisch und diese Gestippsel auf Englisch ist doch auch lächerlich. Erst dachte ich, es sei das Richtige, weil ich so aus einem Schritt Entfernung auf meine Gedanken gucken könnte. Doch jetzt frage ich mich, ob ich mich damit nicht von meinen Gedanken entfremdet habe. Sie wurden zu Selbstläufern, meist beschränkt auf die Phrasen, die ich eben gut kannte.